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Türkei: Ziviler Widerstand und Gewaltfreiheit
Connection e.V.
Internationale Arbeit für Kriegsdienstverweigerer und Deserteure
Türkei: Ziviler Widerstand und Gewaltfreiheit

Stoppt den Kreislauf der Gewalt in der Türkei!

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Eine Initiative von

Bund für Soziale Verteidigung

Connection e.V.

Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK)

Dialog-Kreis „Die Zeit ist reif für eine politische Lösung im Konflikt zwischen Türken und Kurden“

Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges - Ärzte in sozialer Verantwortung e.V. (IPPNW)

Internationaler Versöhnungsbund – Deutscher Zweig

Komitee für Grundrechte und Demokratie

pax christi – Diözesanverband Limburg

War Resisters‘ International


Zum Weiterlesen

(25.04.2017) 
Connection e.V. und Bund für Soziale Verteidigung: Südosttürkei: Arzt in Ausübung seines Berufsethos zu mehr als 4 Jahren Haft verurteilt
(25.04.2017) 
Turkey: Trial of Dr. Serdar Küni, Şırnak 2nd heavy penal court - Statement of International Delegation of Trial Monitors
(25.04.2017) 
Human Rights Foundation of Turkey: Turkey: Conviction of good medical practice by the Şırnak Local Court on behalf of Serdar Küni MD is unacceptable!
(20.04.2017) 
Spendenaufruf - Stoppt den Kreislauf der Gewalt in der Türkei!
(03.04.2017) 
Rudi Friedrich: Türkei: Ein Reisebericht aus Diyarbakır, Cizre, Şırnak und İzmir
(17.03.2017) 
Connection e.V., IPPNW and War Resisters International: Turkey: International observers monitored MD Serdar Küni’s Trial
(15.03.2017) 
Human Rights Association (İHD) and Human Rights Foundation (TİHV): Turkey: Urgent Call for Action for Chairperson of Human Rights Association (İHD) Diyarbakır Branch
(15.03.2017) 
Menschenrechtsverein (İHD) und Menschenrechtsstiftung (TİHV): Türkei: Aufruf zur Urgent Action für den Vorsitzenden des İHD Diyarbakır
(14.03.2017) 
Connection e.V., IPPNW und War Resisters International: Prozessbeobachtung in der Türkei: Alle Zeugen widerrufen unter Folter gemachte Aussagen - Dr. med. Serdar Küni mit Terrorismusvorwurf weiter in Haft
(01.02.2017) 
Türkei - Die Gewalt setzt sich fort - Bericht zur internationalen Kampagne "Stoppt den Kreislauf der Gewalt in der Türkei!"
(09.11.2016) 
Connection e.V. und IPPNW: Türkei: Prozess gegen Menschenrechtsaktivistin und Journalisten vertagt - Große internationale Präsenz beim Prozessauftakt
(09.11.2016) 
Connection e.V. and IPPNW: Turkey: Trial against human rights activists and journalists postponed - High number of international observers
(07.11.2016) 
Connection e.V.: Solidarität mit türkischen Menschenrechtsaktivisten - Prozessbeobachter entsandt
(01.09.2016) 
Türkei - AkademikerInnen für den Frieden: "Stumm zu bleiben bedeutet, auch Teil des Verbrechens zu werden" - Dankesrede von Esra Mungan zum Aachener Friedenspreis 2016
(01.09.2016) 
Türkei - AkademikerInnen für den Frieden: "Die Stimme des Friedens muss erhoben werden" - Dankesrede von Çetin Gürer zum Aachener Friedenspreis 2016
(15.08.2016) 
Türkei - eMail-Newsletter abonnieren - Stoppt den Kreislauf der Gewalt in der Türkei!
(16.07.2016) 
Vicdani Ret Derneği: Türkei: Lasst uns die Spirale der Gewalt und die militaristischen Zumutungen verweigern
(16.07.2016) 
Vicdani Ret Derneği: Turkey: Let’s Resist the Spiral of Violence and Militarist Imposition
(16.07.2016) 
İnsan Hakları Derneği und Türkiye İnsan Hakları Vakfı: Türkei: Wir sind gegen jede Art des Putsches, gegen Putschversuche wie auch gegen anti-demokratische Praktiken - Wir verteidigen echte zivil-demokratische Werte und den Respekt für Menschenrechte
(16.07.2016) 
İnsan Hakları Derneği and Türkiye İnsan Hakları Vakfı: Turkey: We are against any kind of coup d’état, attempt to stage coup d’état, and anti-democratic practices - We defend real civil democratic life and respect for human rights
(14.07.2016) 
Stoppt den Kreislauf der Gewalt in der Türkei! - Kurzbeschreibung und Inhalt der Broschüre
(14.07.2016) 
Rudi Friedrich: Vorwort zur Broschüre "Stoppt den Kreislauf der Gewalt in der Türkei!"
(04.07.2016) 
Connection e.V.: Türkische Menschenrechtsaktivisten auf Lobby-Tour nach Genf, Wien, Brüssel und Straßburg - Stoppt den Kreislauf der Gewalt in der Türkei!
(15.06.2016) 
Connection e.V. und andere: Stoppt den Kreislauf der Gewalt in der Türkei! -  Lobby-Tour nach Genf, Wien, Brüssel und Straßburg
(14.06.2016) 
Coşkun Üsterci: "Schwere Menschenrechtsverletzungen im Südosten der Türkei"
(14.06.2016) 
Gamze Yalçin: Türkei: „Wir bestehen auf den Weg des Dialogs und der Verhandlungen“
(12.06.2016) 
Delegation of War Resisters’ International - Report about the visit to Southeast Turkey, April 26 to 29, 2016
(09.06.2016) 
Rudi Friedrich: Delegation der War Resisters’ International im Südosten der Türkei - Reise durch ein Kriegsgebiet
(09.06.2016) 
Delegation der War Resisters’ International im Südosten der Türkei - Reise durch ein Kriegsgebiet - Vollständiger Beitrag in der graswurzelrevolution
(04.05.2016) 
War Resisters International, Connection e.V., BSV, Internationaler Versöhnungsbund Österreich: Türkei: Stoppt den Kreislauf der Gewalt! - Internationale Delegation der WRI besuchte Diyarbakır und Cizre
(04.05.2016) 
War Resisters International: Turkey: Stop the cycle of violence! - International delegation went to Diyarbakır and Cizre
(04.05.2016) 
Internacional de Resistentes a la Guerra: Turquía: Paremos el Ciclo de Violencia - Una delegación internacional visitó Diyarbakir y Cizre
(30.04.2016) 
Bildergalerie: Internationale Delegation der WRI besuchte Diyarbakır und Cizre
(30.04.2016) 
Bildergalerie: International delegation went to Diyarbakır and Cizre
(22.04.2016) 
Rudi Friedrich und Christine Schweitzer: Delegation der War Resisters‘ International (WRI) reist in die Südosttürkei
(24.03.2016) 
IPPNW-Reisedelegation: Präsident Erdoğans Krieg gegen Kurden: Scharfe Kritik am Kriegseinsatz der türkischen Streitkräfte - IPPNW-Reisedelegation kritisiert zudem Schweigen der EU und fordert Wiederaufnahme des Friedensprozesses
(24.03.2016) 
Stop the Cycle of Violence in Turkey! - International Call
(23.03.2016) 
Berichte einer IPPNW-Delegation zur Situation in der Osttürkei
(23.03.2016) 
Unterschriftenliste für die Petition - pdf-Vorlage
(20.03.2016) 
Türkei - Krieg im Südosten - Bericht im Weltspiegel (ARD)
(19.03.2016) 
Andreas Speck und Hülya Üçpınar: Erneuter Krieg in den kurdischen Regionen der Türkei - Teil I des Beitrags
(19.03.2016) 
Andreas Speck und Hülya Üçpınar: Erneuerter Krieg in den kurdischen Regionen der Türkei - Teil II - Fußnoten zum Beitrag
(16.03.2016) 
Stoppt den Kreislauf der Gewalt in der Türkei ! - Aufruf an die deutsche Bundesregierung und die Europäische Union
(15.03.2016) 
Aktionsmaterial für Kampagne "Stoppt den Kreislauf der Gewalt in der Türkei!" - A4-Kopiervorlage für zwei Postkarten mit Begleittext
(08.03.2016) 
Kriegsdienstverweigerungsgruppen aus dem östlichen Mittelmeer: "Wir erheben unsere Stimme für Frieden und gegen die Militarisierung" - Gemeinsame Erklärung
(27.02.2016) 
Dialog-Kreis - Nützliche Nachrichten 2-3/2016 (pdf-Datei)
(15.02.2016) 
Verein für Kriegsdienstverweigerung (VR-DER): Türkei: Verlasst Eure Einheiten, verweigert den Krieg!
(31.01.2016) 
War Resisters‘ International (WRI): Türkei: Eskalierende Gewalt und Menschenrechtsverletzungen
(10.01.2016) 
AkademikerInnen für den Frieden: Internationaler Appell zu kriegsartigen Zuständen in der Türkei

Türkei: Ziviler Widerstand und Gewaltfreiheit

von War Resisters

Ende April 2016 reiste eine Delegation der War Resisters‘ International nach Diyarbakır und Cizre. Die Delegation traf dort etwa 15 Organisationen und Gruppen und konnte sich einen guten Eindruck über die katastrophale Lage in der Region machen. Darüber hinaus suchte die Delegation nach Organisationen, mit denen gemeinsam gewaltfreie Aktivitäten gegen den Krieg entwickelt werden könnten. Ein Kapitel des Delegationsberichts beschäftigt sich ausführlich mit dieser Frage. (d. Red.)

Ziviler Widerstand ist vom Grundsatz her eine Aktionsform, um Herrschaft zu schwächen und alternative Institutionen zu schaffen, ohne Waffen zu benutzen. Er kann viele Formen annehmen. Er kann alleine durchgeführt werden oder in Verbindung mit anderen Arten von Widerstand, er kann neben anderen Formen existieren oder ergänzend eingesetzt werden. In diesem Bericht schildern wir verschiedene Formen des Zivilen Widerstands, von denen die Delegation während ihres Besuchs hörte. Wir möchten aber betonen, dass der Konflikt grundsätzlich hoch militarisiert und sehr gewaltvoll ist. Es gibt keine gewaltfreie Bewegung im kurdischen Teil der Türkei und auch kein klar erkennbares Bewusstsein für Zivilen Widerstand als Methode. Wir fanden nur kleine und verstreute Beispiele von Zivilem Widerstand, die darauf zielen, die Aktionen des türkischen Militärs zu untergraben, was verständlich ist angesichts einer Zeit der humanitären Krise und Gefahr. Die wesentlichste Form des Zivilen Widerstands war das Entstehen von selbstverwalteten Institutionen: Politische Organisationen sowie Strukturen für Schule und Ausbildung, die sich für die Belange der lokalen Bevölkerung einsetzen und darauf zielen, eine Autonomie in ihren Gebieten zu erreichen.

Auch die Verhinderung des Eindringens von unterdrückerischen Streitkräften durch Ausheben von Gräben und Barrikadenbau, wie es in einigen Gebieten geschah, könnte grundsätzlich eine Form des defensiven Zivilen Widerstands sein. Aber die eigentlich defensiven Maßnahmen wurden in diesem Falle genutzt und verstanden als eine Vorbereitung zum bewaffneten Widerstand. Sie wurden nicht nur dazu benutzt, die türkischen Streitkräfte am Eindringen zu hindern, sondern auch, so wurde der Delegation berichtet, um die Zivilbevölkerung der bewohnten Gebiete an der Flucht zu hindern. Auf diese Weise wurden sie zu einer Maßnahme, die die bewaffneten Auseinandersetzungen in die zivilen Gebiete holte.

Während der Ausgangssperren und Zusammenstöße wurden alle üblichen Medienzugänge geschlossen. Zivilpersonen versuchten stattdessen unverzüglich, die Sozialen Medien zu benutzen, um der Welt die Gräueltaten zu schildern, die an ihnen begangen wurden. Angesichts der Abwesenheit der meisten internationalen Medien wurden diese Nachrichten zur eigentlichen Informationsquelle. Aufgrund der Ausgangssperren und der Einstellung der Elektrizitätsversorgung waren die Berichte auf Facebook oder YouTube allerdings nicht aktuell.

„Habt Ihr unseren Bericht gelesen?“, war eine sehr oft gestellte Frage an die Delegation. Viele Organisationen, die die Delegation traf, informierten regelmäßig in türkischer Sprache über die begangenen Gräueltaten, einige Organisationen veröffentlichten auch Berichte in englischer Sprache, alles Beispiele allgemeinen Widerstands. Sie schufen Gegenöffentlichkeit zu den offiziellen Stellungnahmen, die nur von bewaffnetem Terrorismus sprach. In den Berichten versuchten die Menschenrechtsorganisationen mit gut dargelegten Argumenten und sorgfältigen und faktenreichen Beschreibungen die Situation in den betroffenen Gebieten darzulegen.

Eine Petition, die von mehr als 1.000 AkademikerInnen unterzeichnet wurde, wurde auch immer wieder gegenüber der Delegation erwähnt. Die Erklärung war ein wichtiger Versuch, die offizielle Beschreibung der Ereignisse zu untergraben. Und sie zeigte den Mut eines Kollektivs von Intellektuellen, ihre Solidarität mit den zivilen Opfern der militärischen Angriffe zu bekunden. Sie beabsichtigte auch, der nationalen und internationalen Öffentlichkeit eine andere Sichtweise darzulegen als die der Regierung, aber von hoch respektierten und bekannten Persönlichkeiten mit anerkannter gesellschaftlicher Stellung.

Viele Beschwerden zu den Menschenrechtsverletzungen, aber auch gegen die derzeit stattfindenden Enteignungen von kurdischem Eigentum in der Region durch die staatlichen türkischen Behörden, wurden bei internationalen Institutionen eingereicht. Sie sind ein Versuch, die Enteignungen zu verhindern. In dem Stadtteil Sur in Diyarbakır konnte die Delegation in dem zu der Zeit offenen Bereich mit Geschäftsleuten sprechen, die angefangen hatten, ihre Geschäfte in den alten Häusern wieder aufzunehmen. Sie wussten lange nicht, dass diese Häuser bereits enteignet worden waren und dem Papier nach nun dem türkischen Staat gehören. Organisationen, die das Erbe der alten Stadtstruktur bewahren wollen, versuchten auch die Tatsache zu nutzen, dass die UNESCO die Innenstadt als Weltkulurerbe anerkannt hat. Ihre Hoffnung ist, dass die internationale Gemeinschaft handeln werde, um die Altstadt zu schützen, auch wenn sie sich nicht für den Erhalt des sozialen und wirtschaftlichen Lebens, wie es zuvor bestanden hat, einsetzen würde.

Konstruktiven Widerstand fand die Delegation in Form von selbstverwalteten politischen Strukturen, wie einer Parallelorganisation eines kurdischen Ausbildungssystems, lokaler Verwaltung, humanitärer Hilfe für Flüchtlinge und dem Kongress der Demokratischen Gesellschaft. Darüber hinaus gibt es alternative Bewegungen, die sich selbst in der Region konstituiert haben, um soziale Veränderungen zu erreichen oder ökologische Aspekte zu thematisieren, wie die Mesopotamische Ökologische Bewegung.

Die Delegation hörte von regionalen humanitären Organisationen, die damit begonnen haben, sogenannte „soziale Lager“ aufzubauen. Es sind in erster Linie Zeltlager für nicht-türkische Flüchtlinge (vor allem aus Syrien), die auf selbstorganisierter Basis verwaltet werden. Wesentliche Materialien, Hilfe und Dienste werden von den lokalen UnterstützerInnen zur Verfügung gestellt, aber nicht im traditionellen Verständnis, dass Flüchtlinge kontrolliert werden müssen. Die Flüchtlinge organisieren sich selbst in Arbeitsgruppen und führen selbst Erziehung und Ausbildung durch. In einem weiteren Sinn können die „sozialen Lager“ auch als konstruktiver Widerstand verstanden werden, als Aufbau von alternativen Strukturen und selbstverwaltetem Empowerment.

Lokale Verwaltungsstellen, wie die Büros der BürgermeisterInnen von Diyarbakır und Cizre, versuchten ihren Pflichten nachzukommen und ihren Städten zu dienen, ungeachtet der Anordnungen des Gouverneurs. Die Co-Bürgermeisterin von Cizre war 2015 von der Regierung abgesetzt worden. Aber sie setzt ihre Arbeit fort, weil sie von der Bevölkerung von Cizre gewählt worden ist und sie weiterhin unterstützt wird, so berichtete sie uns. Eine repräsentative Funktion weiter auszuführen, obwohl die Regierung sie formal entlassen hat, ist ein klares Beispiel für Ungehorsam und ein Versuch, eine Selbstverwaltung aufrechtzuerhalten.

Mehr noch - die Delegation hörte von Feuerwehrmännern und Arbeitskräften aus dem medizinischen Bereich, die Befehlen der Regierung oder der Sicherheitskräfte bei verschiedenen Gelegenheiten nicht folgten, um ihrem Beruf nachgehen zu können und in Notfällen der zivilen Bevölkerung zu dienen. Trotz des explizit ausgesprochenen Verbots, Grundnahrungsmittel in die belagerten Gebiete zu bringen, verteilten Muhtars (örtlich gewählte VertreterInnen eines Stadtteils oder Dorfes) Lebensmittel in ihren Gemeinschaften. Andere widersetzten sich den Anordnungen, indem sie Leichname aus verbotenen Zonen holten. TierrechtsaktivistInnen in Diyarbakır gingen auch in Zonen der Ausgangssperren, um Tiere, wie Hunde und Katzen, zu retten.

Wie schon vorher erwähnt, haben die Eskalation des Konflikts und die Ausgangssperren zu Hunderttausenden von Vertriebenen geführt. Aufgrund eines selbstorganisierten Systems der humanitären Hilfe für Flüchtlinge bei Unterbringung bei anderen Familien oder in freien Häusern in nicht so stark betroffenen Gebieten, konnten die Menschen zumeist in der Region bleiben. Diese Art der Solidarität war vielleicht die beeindruckendste Form eines Zivilen Widerstandes, den die Delegation sehen konnte. Der Nachteil dieser erstaunlichen gegenseitigen Hilfsbereitschaft während eines bewaffneten Konfliktes ist, dass die Flüchtlingskrise der internationalen Gemeinschaft nicht wirklich offen sichtbar und somit einfacher zu ignorieren ist.

Die Delegation hörte auch von Demonstrationen in verschiedenen Bezirken, die nicht unter Ausgangssperren standen, wie in dem Büroviertel von Diyarbakır.

Wenn wir auf den Zivilen Widerstand in der Region schauen, ist es wichtig, hervorzuheben, dass die Delegation auch KriegsdienstverweigerInnen traf, die den Dienst in der türkischen Armee verweigern, darunter auch solche, die „jede Art und Form von Gewalt ablehnen“.

Neben all diesen Beispielen von Maßnahmen, die versuchen, mit der schwierigen Situation für die Zivilbevölkerung umzugehen, und dem Versuch, selbstverwaltete Strukturen aufzubauen, fanden wir auch Beispiele von organisierten Aktionen gegen die militarisierte türkische Dominanz in der Region. Das Tahir-Elci-Waldprojekt ist eine derzeit laufende Initiative gegen die Militarisierung und Unterdrückung in Diyarbakır. Verschiedene zivilgesellschaftliche Gruppen haben mit öffentlichen Demonstrationen und Erklärungen dazu aufgerufen, ein großes Gebiet außerhalb von Diyarbakır, das derzeit in ein Militärgelände umgewandelt werden soll, zu einem öffentlichen Stadtwald zu machen. Kurz nach der Delegationsreise führten KriegsdienstverweigerInnen und UmweltaktivistInnen einen Marsch zu diesem Wald durch. Verschiedene Kriegsdienstverweigerer erklärten dort öffentlich ihre Verweigerung und versuchten, Bäume zu pflanzen, um sich so für die Menschen einzusetzen und gegen die Militarisierung zu protestieren. Die Polizei hinderte die AktivistInnen jedoch daran, das Gelände zu betreten und die Bäume zu pflanzen.


War Resisters‘ International: Report about the visit to Southeast Turkey April 26 to 29, 2016. 12. Juni 2016. Auszüge. Übersetzung: rf. Der Beitrag erschien in der Broschüre "Stoppt den Kreislauf der Gewalt in der Türkei!", hrsg. von Connection e.V., Bund für Soziale Verteidigung und Internationaler Versöhnungsbund, 14. Juli 2016



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